Kommen Sie mit auf eine Zeitreise

durch unsere Vereinsgeschichte


Der Kirchenchor vor 1937

 

Ehemaliger Kirchenchor

Als unser Chor 1987 sein 50-jähriges Jubiläum feiern konnte, wurden in der damaligen Festschrift Zeitzeuginnen zitiert, die sich an einen Kirchenchor erinnern konnten, der um das Jahr 1860 in Groß-Steinheim gegründet wurde. Auch weltliche Chöre wie “Olympia“ und “Harmonie“ entstanden um diese Zeit, und das bei einer Einwohnerzahl von ca. 1.400 Personen.

Etwa um 1910 feierte dieser Kirchenchor sein 50-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Dirigent war seinerzeit Jakob Gesser aus der Neutorstraße. Der Chor hatte etwa 50 aktive Mitglieder, mehr als die Hälfte waren Frauen. Die Singstunden fanden statt im “Hofbrauhaus“, und jedes Mitglied entrichtete 10 Pfennig Beitrag pro Monat. Gesungen wurde zu allen Hochfesten, aber - im Gegensatz zu heute - vorwiegend in Latein. Es ist dokumentiert, dass der Katholische Kirchenchor am 15.10.1911 bei der Enthüllungsfeier des Friedensdenkmals in Groß-Steinheim mitwirkte, er sang: „Die Ehre Gottes“.

Der 1. Weltkrieg (1914 - 1918) bereitete dem Chorleben ein jähes Ende, Tenöre und Bässe mussten an die Waffen.

 

Steinheim und die Welt (Historischer Hintergrund)

Nach dem für Deutschland verloren gegangenen 1. Weltkrieg fehlte es im ganzen Land am Nötigsten. Die Wirtschaft war schwer geschädigt, die Zahl der Erwerbslosen stieg unaufhörlich, das Geld verlor ab 1918 ständig an Wert. Wer noch Arbeit hatte, musste etwa ab August 1923 darauf bedacht sein, seinen empfangenen Lohn innerhalb von Stunden in Waren umzusetzen, da das Geld schon am nächsten Tag seinen Wert verloren hatte. Folgerichtig kam es im November 1923 zur Währungsreform: Für eine Billion Mark Papiergeld gab es jetzt eine sogenannte Rentenmark. Die Geldvermögen waren dahingeschmolzen, allerdings auch die wohltätigen Stiftungen. Mit der neuen Währung war die Not der Bevölkerung nicht kleiner geworden. Bürgermeister Martin Rachor hatte in Groß-Steinheim mit großer Wohnungsnot zu kämpfen, er ließ in Schloss und Marstall Wohnungen einrichten. 1924 erfolgte immerhin der Anschluss an das Stromnetz, sodass jetzt Häuser und Straßen über elektrisches Licht verfügen konnten. Um die Zahl der Erwerbslosen in Steinheim etwas zu vermindern, wurde 1927 der Lämmerspieler Weg ausgebaut. Viele Männer hatten jetzt Beschäftigung im Steinheimer Steinbruch gefunden.

Der New Yorker Börsencrash von 1929 hatte in Deutschland ein ungeheures Wirtschaftselend, Notverordnungen, neue Arbeitslosigkeit, große Verbitterung und starken Zulauf zu extremen Parteien wie Kommunisten und Nationalsozialisten zur Folge.

Am 30. Januar 1933 kam Adolf Hitler an die Macht. Durch einen staatlichen Arbeitsdienst erhielten viele Erwerbslose Arbeit und Brot. Auch der Baubeginn der Steinheimer Marienkirche im Frühjahr 1933 sorgte dafür, dass Steinbrecher, Maurer und sonstige Handwerker Arbeit fanden. Die Kirche wurde schließlich 1940 eingeweiht. Allerdings war diese Zeit gekennzeichnet von einem raschen Anwachsen der NSDAP unter gleichzeitiger Ausschaltung von Andersdenkenden. Am schlimmsten betroffen davon - auch in Steinheim - waren die Juden, deren Schicksal im Holocaust besiegelt werden sollte. 1933 gab es in Groß-Steinheim 45 Juden, die bis 1941 entweder fortziehen konnten oder deportiert wurden.

Auch die katholische Kirche hatte in der Hitler-Zeit viele Probleme zu bestehen. So nahmen die katholischen Vereine z. B. nicht teil an einer Kundgebung der Nazis auf dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Platz am Friedensdenkmal, das von dem Juden Meyer-Gerngroß gestiftet worden war. Dies führte am 17.05.1934 zur Auflösung aller katholischen Vereine. Auch wurden die Predigten der Geistlichen genau verfolgt, was z. B. im November 1935 zu einer Vernehmung des Steinheimer Kaplans Reuß (des späteren Weihbischofs) bei der Staatspolizei (Gestapo) in Offenbach führte.

Im Jahre 1936 rückte das Nazi-Deutschland in den Blickpunkt der Welt: Es fanden die Olympischen Spiele in Berlin statt, auch wurde in diesem Jahr der Flughafen Frankfurt Rhein-Main eröffnet, beides Großereignisse für die NS-Propaganda.

Zurück nach Steinheim: 1938 konnte endlich die lange geplante Wasserversorgung fertig gestellt werden mit dem 49 m hohen Wasserturm als weithin sichtbarem Zeichen.

Ein Ereignis darf nicht unerwähnt bleiben: Es wurde „von oben“ angeordnet, dass zum 01.04.1938 die Stadt Groß-Steinheim mit der Gemeinde Klein-Steinheim zur „Stadt Steinheim“ zusammengelegt wird. 1939 zählte die neue Gemeinde 6.889 Einwohner.

So viel zu den äußeren Rahmenbedingungen in jener Zeit.

 

 

Der Kirchenchor 1937 bis 1987

 

Trotz der Auflösung aller katholischen Vereine im Jahre 1934 gingen einige beherzte Männer daran, den Kirchenchor Steinheim St. Johann Baptist wiederzugründen. Es war

Freitag, der 09. April 1937,

als Kaplan Dr. Friedrich Lutz 17 Männer und 23 Knaben versammelte, um daraus den Kirchenchor inkl. Knabenschola zu bilden. Bischof von Mainz war damals Dr. Albert Stohr, der Pfarrer in Steinheim St. Johann Baptist hieß Alois Kost. Da die Nazis parteiunabhängige und insbesondere katholische Vereine verboten hatten, wurde hier eben kein Verein, sondern nur eine Vereinigung ins Leben gerufen, die die Gottesdienste mit Gesang bereichern sollte. Als Ziel legte man fest - und das gilt bis heute -: Pflege des Gregorianischen Chorals und des Kirchenliedes zum Lobe des Allerhöchsten und zur Erbauung der Gläubigen. Der Leitgedanke war:

 

Cantate Domino canticum novum  (Singet dem Herrn ein neues Lied).

 

Die Gründungsurkunde des Kirchenchores         Die ersten Sänger im Kirchenchor 

 

Die geistliche Betreuung des Chores übernahm im Januar 1938 Kaplan Wilhelm Thoerle, der Dr. Lutz in Steinheim ablöste. Es wurde ein Vorstand gebildet, der aus Nikolaus Braun und seinem Stellvertreter Franz Blumöhr bestand. Die neuen Sänger bestellten Jakob Franz zum Chorleiter, der bis Mai 1939 fungierte, um dann Kaplan Wilhelm Thoerle die Leitung des Chores zu übergeben. Die Singstunden wurden abgehalten im Jugendheim neben der im Bau befindlichen Marienkirche.

Am Karfreitag des Jahres 1938 erklang das erste vierstimmige Lied des neuen Chores: “Trauert ihr englischen Chöre und weinet“. Die Noten des Liedes befinden sich heute noch in unserem Notenschrank. Einer der ersten Sängerknaben war der spätere Mainzer Prälat Josef Seuffert, dem der Chor letztes Jahr zu seinem Diamantenen Priesterjubiläum (60 Jahre) gratulieren konnte. Ein Glanzpunkt im Leben der Pfarrei St. Johann war die Weihe der neuen Marienkirche am 20.10.1940 durch Bischof Dr. Albert Stohr. Die Nazis hatten während der langen Bauzeit bereits ein Auge auf den Rohbau der Kirche geworfen, um ihn als Lagerraum für die Wehrmacht zu nutzen. Doch jetzt, nach der schnell vollzogenen Weihe des Gotteshauses, nahm man Gott sei Dank wieder Abstand von solchen Plänen.

Selbstverständlich gestaltete der Kirchenchor die feierliche Einweihung der Marienkirche mit. Wilhelm Thoerle, mittlerweile Pfarrer in St. Johann, war durch die vielfältigen Aktivitäten bei der Vorbereitung der Kirchenweihe nicht in der Lage, sich ausreichend um den Chor zu kümmern. Man fand kurzfristig Ersatz: Kaplan Dr. Hermann Volk, der spätere Kardinal, hielt einige Singstunden zur Vorbereitung auf das große Ereignis. Und das trotz eines Handicaps, wie er selbst sagte: “Singen, singen kann ich nicht, aber lehren will ich Euch das gerne!“ Man wagte dabei noch ein weiteres Experiment: Durch die Hinzunahme einiger Frauenstimmen wurde quasi ein neuer gemischter Chor aus der Taufe gehoben. Es soll ein voller Erfolg gewesen sein, wie berichtet wird. Eigens zu diesem Anlass schuf der bekannte Mainzer Kirchenkomponist Heinrich Rohr ein neues Lied „Heil unserm Gott, Halleluja“, dessen Uraufführung in Steinheim er selbst dirigierte.

Die Einweihung der Marienkirche war leider die letzte Aktivität des Kirchenchores für lange Zeit. Ab diesem Zeitpunkt konnte - traurige Parallele zum 1. Weltkrieg - eine fruchtbare Chorarbeit nicht mehr stattfinden. Viele Männer kehrten aus dem Krieg nicht wieder heim.

Erste zaghafte Lebenszeichen von Chorgesang wurden im Juni 1945 (4 Wochen nach Kriegsende) hörbar. Eine Mädchengruppe von Schwester Anita Busch brachte Pfarrer Thoerle ein Namenstagsständchen. Die Leitung hatte ein Mann übernommen, der für die nächsten 42 Jahre beim Kirchenchor den Ton angeben sollte: Josef Eberle. Zu der Mädchengruppe gesellte sich alsbald ein Männerquartett, nämlich Artur Follert, Erich Möser, Franz Möser und Leo Heid (drei Tenöre, ein Bass).

In den ersten Nachkriegsjahren mangelte es in Deutschland an allem, wie sollte es beim Kirchenchor anders sein. Es gab nur noch kleine Restbestände an Notenmaterial, das Kopiergerät war längst noch nicht erfunden, so musste sich der kleine Chor sehr bescheiden. Als Hauptaufgabe nahm man sich erneut die Pflege des Gregorianischen Chorals vor. Langsam, aber stetig ging es mit dem Kirchenchor wieder aufwärts. Der Vorstand bestand jetzt aus Franz Blumöhr (Vorsitzender), Erich Möser (Rechner) und Josef Eberle (Chorleiter). Präses ist seit dieser Zeit immer der jeweilige Pfarrer der Pfarrei, seinerzeit also Pfarrer Wilhelm Thoerle.

Obwohl die Mitgestaltung der Gottesdienste damals wie heute die erste Rolle beim Kirchenchor spielte, traf man sich auch 1946 schon zu geselligen Anlässen, z. B. zu der Silvesterfeier in der „Rose“, Ecke Ludwig-/ Neutorstraße.

Bei der Jahreshauptversammlung 1949 konnte man eine stolze Zahl vermelden: Der Chor hatte 60 aktive Sängerinnen und Sänger. Der neue Vorstand bestand aus: Karl Brückner (Vorsitzender), Willi Gadhof (Kassierer) und natürlich Josef Eberle (Chorleiter). Man sang jetzt bei den Gottesdiensten an allen Fest- und Feiertagen und z. B. bei Dekanatssingen, wie diesmal in Steinheim St. Nikolaus.

Auf Initiative von Pfarrer Thoerle trat 1951 erstmals eine Männerschola auf, die die Zwischengesänge in den Sonntagsgottesdiensten gestaltete.

Auf der Jahreshauptversammlung 1952 wählte man Willi Gadhof zum neuen Vorsitzenden des Chores, was er bis 1974 bleiben sollte. Erich Möser war für die Kasse zuständig und erstmals gab es mit Ludwig Braun auch einen Schriftführer. Der Höhepunkt in diesem Jahr war eine musikalische Feierstunde in der Marienkirche mit allen in Steinheim kirchlich engagierten Chören. Es beteiligten sich: Chor Liederpalme Steinheim-Süd unter Willi Braun, Kirchenchor Steinheim St. Nikolaus unter Gerhard Schwachhöfer, evangelischer Kirchenchor Steinheim unter Walter Scholz sowie Kirchenchor Steinheim St. Johann Baptist unter seinem Leiter Josef Eberle.

Seit 1953 feiert unser Kirchenchor den Tag der Hl. Cäcilia, der Patronin der Kirchenchöre (22.11.), mit einem Festgottesdienst und anschließendem gemütlichen Beisammensein.

In den späteren 50er- und anfänglichen 60er-Jahren stagnierten die Kirchenchoraktivitäten, auch Berichte und Dokumente aus dieser Zeit sind eher Mangelware, es wird lediglich von einem letzten Dekanatssingen für lange Zeit hier in St. Johann 1958 berichtet. Auch das 25-jährige Bestehen des Chores 1962 wurde in eher bescheidenem Rahmen begangen.

Die Mitgliederzahl ging deutlich zurück, der Chronist erinnert sich an 21 Aktive im Jahre 1963. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) brachte bahnbrechende Erneuerungen für alle am Gottesdienst Beteiligten, so auch für die Kirchenchöre. Die lateinischen Gesänge traten zurück, an deren Stelle wurden Chorwerke in deutscher Sprache gesungen. Ein wesentlicher Unterschied zu der Zeit vor dem Konzil lag in der „Singenden Gemeinde“, wobei also Chor und Gemeinde aktiv mit Psalmen und Leitversen am Gottesdienst beteiligt wurden. Eine große Aufgabe für unseren Chor und die Männerschola (fünf Mitglieder des Chores), die jetzt sonntäglich zum Einsatz kam.

Kleine Anekdote am Rande: Pfarrer Thoerle war nicht sogleich mit der Abkehr vom lateinischen hin zum deutschen Lied einverstanden. Der Chronist erinnert sich an eine Probe im Jugendheim (neben der Krypta), als wir mit Josef Eberle ein deutsches Lied übten und plötzlich den Schritt des Pfarrers auf der (heute noch) knarzenden Treppe von der Sakristei herunter vernahmen. Blitzschnell wurde auf ein Kyrie aus einer lateinischen Messe umgeschaltet, was der Pfarrer dann mit Wohlwollen zur Kenntnis nahm. Aber auch er konnte die Zeit nicht aufhalten.....

Am 1. Advent 1969 wurde die neue Messordnung eingeführt, die Feier der Eucharistie erfolgt seitdem in deutscher Sprache. Trotz der Schwierigkeiten, die der Chor mit der Liturgiereform zu bewältigen hatte, konnte seine Qualität gesteigert werden. Grund dafür war auch die große Zahl von Jugendlichen, die jetzt durch kräftige Vermittlung von Josef Eberle, Volksschullehrer im Hauptberuf, zum Chor fanden.

Nach dem Konzil war es den Kirchenchören erlaubt, nicht nur an der Gottesdienstgestaltung, sondern verstärkt auch am geselligen Leben teilzunehmen. Deshalb wählte man in St. Johann bei der Jahreshauptversammlung 1974 einen erweiterten Vorstand, der im Wesentlichen bis 1986 im Amt bleiben sollte. Willi Gadhof wurde nach 22 Jahren als Vorsitzender zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gewählt wurden: Erich Möser (1. Vorsitzender), Norbert Imgram (2. Vorsitzender und Schriftführer), Magdalena Imgram (Kassiererin), Renate Rachor und Franz Eberle (Beisitzer). Präses war Lothar Hillenbrand, der 1969 die Nachfolge von Pfarrer Thoerle in St. Johann angetreten hatte. Chorleiter nach wie vor: Josef Eberle. Eine wesentliche Neuerung erfuhr das Chorleben im August 1974: Die Singstunden wurden vom engen Pfarrheim in die neu eröffnete Altentagesstätte der Pfarrei (heute: Blumenhaus am Obertor) verlegt und dauerten manchmal bis in frühe Morgenstunden.

Die Aktivitäten des Chores nahmen jetzt stetig zu, 1976 sang der Chor in 19 Gottesdiensten vier- bis 8-stimmige Chorwerke. Nicht wenige waren erstaunt, dass der Autodidakt Josef Eberle sich mit seinem Chor an durchaus schwierige Chorliteratur herantraute. Als Übungsgerät diente in jener Zeit ein elektrisches Klavierchen mit drei Oktaven. Auch wurde im Jahre 1976 das bis heute praktizierte Singen im St. Vinzenz-Krankenhaus / Hanau am 2. Weihnachtstag ins Leben gerufen, das auf persönliche Verbindungen der Familie Eberle zurückgeht. Es ist immer wieder ein Erlebnis für uns Sänger/innen, wenn wir am 26.12. um 8.30 Uhr in Hanau singen und dort eine ansehnliche Abordnung Steinheimer Pilger einschließlich unserer Ministranten begrüßen können. Nunmehr also seit 36 Jahren! Weiter so!

1977 gab es etwas gänzlich Neues für den Chor: er beteiligte sich an der Städtepartnerschaft der ehemaligen Stadt Steinheim. Aus der Gemeinde Doorn in Holland kamen am 22.05. die „Caphe Sangers“ in unsere Stadt, die am Abend ein gemeinsames Konzert mit unserem Chor in der Gedächtniskirche (heute Alte Pfarrkirche) gestalteten. Die Städtepartnerschaft Hanau (Steinheim) – Doorn besteht inzwischen nicht mehr, auch die Kontakte der beiden Chöre sind alsbald abgebrochen. Zum 40-jährigen Bestehen unseres Chores kam Besuch aus Friesenheim (Schwarzwald), der Heimatgemeinde von Josef Eberle. Mit dem dortigen Kirchenchor gestalteten wir einen Gottesdienst, auch die anschließende Feier im Marienpark bleibt bei den Beteiligten in sehr guter Erinnerung.

Die Arbeit des Chores im Jahre 1979 liest sich in der Statistik wie folgt: 20 Gottesdienste, drei Brautämter, ein Amt zur Silberhochzeit, ein Amt zur Goldenen Hochzeit und vier Vesperandachten.Höhepunkt des Jahres war am 13.05. die kirchenmusikalische Feierstunde unter dem Thema „Das Leben Mariens in der Kirchenmusik“. Wegen des großen Erfolges in St. Johann wurde das Konzert im Herbst in St. Peter und Paul / Klein-Auheim wiederholt, was diesmal allerdings wegen mangelhafter Orgelbegleitung weniger gut gelang.

1980 war ein weiteres markantes Jahr in der Geschichte unseres Chores: Die Stadt Hanau produzierte eine Schallplatte mit den Musikvereinen und Chören der Stadt. Wir verewigten uns mit dem Werk „Seht die Herrlichkeit Gottes des Herrn“ von Händel. „Francheville, wir kommen“ hieß es erstmals am 03.10.1980 für den Steinheimer Kirchenchor. Seitdem treffen sich die Chöre alle zwei Jahre abwechselnd in Steinheim oder Francheville.Im November 1980 besuchte Papst Johannes Paul II. die Bundesrepublik Deutschland. Unser Chor durfte beim Gottesdienst in Mainz-Finthen mitwirken und hatte dadurch einen Platz unter den „Auserwählten“ ziemlich nahe am Altar auf dem Flugplatzgelände.

Die Leistung des Chores im Jahre 1982 war rekordverdächtig: Man sang in 26 Gottesdiensten mit über 70 Chorwerken, die Schola jeden Sonntag. An der Orgel begleitete uns nach Thomas Heilos jetzt Ortwin Winter aus Klein-Auheim.  Der Vorsitzende des Kirchenchores, Erich Möser, wurde für 40-jährige Tätigkeit im und für den Chor geehrt. Für sein großes ehrenamtliches Engagement hatte er bereits 1981 den Ehrenbrief des Landes Hessen erhalten.

Als feierlicher Abschluss eines jeden Jahres erklingt bei der Christmette am Heiligen Abend bis heute das „Transeamus“, das 1986 von Kindern mit Flöten begleitet wurde. Auch sportlich war der Kirchenchor auf der Höhe: Beim Handball-Jedermannturnier der DJK Steinheim gewann unsere Mannschaft das Finale mit 10:7 gegen die DJK, beim Fußballturnier ging unsere junge Truppe ebenfalls als Sieger vom Platz.

 

Der Kirchenchor 1987 bis heute


1987 feierte unser Chor seinen 50. Geburtstag, Anlass für mehrere große Veranstaltungen. Die „Festliche Stunde“ in der Gedächtniskirche stand unter unserem Leitmotiv: „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Neben Schirmherr Dr. Hermann Kardinal Volk gratulierten u. a. Prälat Josef Seuffert und der Hanauer OB Hans Martin. Ein zweitägiges Fest im Marienpark sowie ein Dekanatssingen mit sieben Chören in der Marienkirche rundeten das Programm des Jubiläumsjahres ab. Doch auch einen dicken Wermutstropfen mussten wir 1987 verdauen: Unser Ehrendirigent Josef Eberle legte nach 42 Jahren sein Amt als Chorleiter aus gesundheitlichen Gründen nieder. Vorübergehend übernahm Johannes Groß-Hardt aus Mühlheim die Chorleitung, ehe 1989 Michael Schnadt, ein bekannter Steinheimer Musiker, für längere Zeit neuer Dirigent des Chores wurde.

Im Juli 1988 gestaltete der Chor sehr feierlich das Silberne Priesterjubiläum von Pfarrer Lothar Hillenbrand mit dem „Tu es Petrus“ von Franz Liszt. Eine Priesterweihe in Zaire (jetzt Kongo) fand im Dezember das besondere Interesse unseres Chores. Willy Manzanza, den wir mittels einer allwöchentlichen Sammelaktion bereits seit zwei Jahren unterstützt hatten, beendete sein Studium und wurde zum Priester geweiht. Doch wie war der Kontakt zustande gekommen? Auf einer Reise in die Missionsstation von Pater Ferdi Walz hatten unsere Sänger Brita und Franz Ehatt den jungen Afrikaner kennengelernt. Wieder zu Hause konnten sie unseren Chor überzeugen, dass jede Münze, die in ein kleines Sammelkästchen mit dem Bild eines schlanken jungen Afrikaners namens Willy geworfen wird, im Kongo reiche Frucht bringen wird. In den kommenden Jahren wird davon noch die Rede sein.

Ein großer Auftritt im Jahre 1989: Bei einem Dekanatssingen in Seligenstadt bildeten wir mit weiteren 9 Vereinen einen gewaltigen Chor von 300 Sänger/innen. Ein fast einmaliges Erlebnis!

Der 30. April 1990 wurde sehnlichst erwartet, endlich war es so weit: Die erste Singstunde im neu erbauten Pfarrzentrum „Kardinal-Volk-Haus“ (KVH). Mehr Platz, bessere Akustik, doch die Kehrseite: Mancher vermisst heute noch die gemütliche Runde nach der Singstunde, die in der Altentagesstätte einfach dazu gehörte. Im Rahmen einer Freizeit an Pfingsten übte der Chor in Oberwesel größere Werke für den Cäcilientag ein. Es wurden die Paukenmesse von Haydn, die  Cäcilienmesse von Gounod und das Kyrie von Ett bearbeitet. Die Geselligkeit soll dabei auch nicht zu kurz gekommen sein, wie Beteiligte berichten.

Höhepunkte 1991: Unser Mitglied Rupert Rützel wurde in sein Amt als Pfarrer in Altenstadt eingeführt. Der „ewige Steinheimer Organist“, unser damals ältestes Mitglied, Leopold Kunkel, feierte seinen 100. Geburtstag. Prälat Josef Seuffert wurde 65 und beging gleichzeitig sein 40-jähriges Priesterjubiläum mit einem Dankgottesdienst in seiner Heimatpfarrei Steinheim St. Johann Baptist.

Pfarrerwechsel gleich Präseswechsel: Thomas Catta wurde im September 1992 Nachfolger des erkrankten Lothar Hillenbrand als Pfarrer in St. Johann. Am Cäcilientag konnte unser Chor diesmal mit einem besonderen Schmankerl aufwarten: Die gesamte Cäcilienmesse von Charles Gounod wurde aufgeführt. Dabei übernahmen Aktive des Chores auch die Solopartien, nämlich Norbert Imgram, Diethard Gadhof, Lucia Schilling und Karin Kuckelkorn. Zum Abschluss ertönte Ludwig van Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Der Hanauer Anzeiger titelte: „Nur Beichtstühle blieben frei – Kirchenkonzert in der Marienkirche Steinheim vor großartiger Kulisse“. Nur einige Wochen später mussten wir Abschied nehmen von unserem Ehrenchorleiter Josef Eberle (79) und unserem Ehrenmitglied Erich Rützel, die kurz hintereinander verstorben waren. Die Verdienste Josef Eberles um „seinen Chor“ konnten und können nicht hoch genug gewürdigt werden.

In der Generalversammlung 1993 trat Erich Möser als 1. Vorsitzender zurück und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Für seine jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit im Kirchenchor erhielt er eine Dankurkunde unseres Bischofs. Zum neuen 1. Vorsitzenden des Chores wählte die Versammlung Norbert Imgram. Die Amtseinführung von Pfarrer Thomas Catta erfolgte unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 2. Advent – ab diesem Zeitpunkt hatten die Pfarreien St. Nikolaus und St. Johann nur noch einen gemeinsamen Pfarrer. Unser damals ältester aktiver Sänger, Jakob Winter, feierte mit seiner Frau Antonie die Goldene Hochzeit, der Chor gestaltete natürlich gerne das Festamt.

Unter dem Motto „20 Jahre IGSV“ (Interessengemeinschaft Steinheimer Vereine, zu der auch unser Chor gehört) beteiligten wir uns im November 1994 an einem Festabend in der Kulturhalle. Alle Steinheimer Kirchenchöre sangen gemeinsam „Preiset froh den König“ von Trapp. Anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit stifteten unsere Mitglieder Marianne und Hermann Becker dem Chor ein neues Klavier, das im KVH wöchentlich zur Chorprobe genutzt wird.

Das Jahr 1995 begann mit einem Ökumenischen Gottesdienst anlässlich des 675-jährigen Jubiläums der Stadtrechte Steinheims, dabei wirkten die drei hiesigen Kirchenchöre mit. Auch bei der Firmung im Juni durch Bischof Karl Kardinal Lehmann war unser Chor im Einsatz. Highlight des Jahres war jedoch das Gospelkonzert im September mit der farbigen Solistin Martha Cambridge, Pianist Dirk Raufeisen und einer Band aus jungen Steinheimer Musikern. Auf dem Programm stand u. a. die Uraufführung zweier Werke („O Halleluja“ und „Jesus washed“), die der Steinheimer Walter Heinke komponiert hatte. Die Marienkirche war überbesetzt, sodass noch etliche Stühle beigestellt werden mussten. Aus dem Erlös des Konzerts konnten wir Pfarrer Catta  einen Scheck in Höhe von 5.000 DM für die Renovierung der Marienkirche überreichen.

1996 schlug die Geburtsstunde eines neuen Kinderchores, Chorleiterin Jutta Schnadt konnte im Juni mit 45 Kindern die erste Singstunde abhalten. Die Intention des Vorstandes: Neben der Nachwuchsförderung für unseren Kirchenchor sollte eine musikalische Grundausbildung der Kinder im Vordergrund stehen, die heutzutage in der Schule nicht mehr geboten wird. Gleich am 1. Advent war dann der erste Auftritt der „Steinheimer Goldkehlchen“ in der Marienkirche zusammen mit dem großen Chor - eine neue Erfahrung für beide Seiten. Im September dann ein besonderes Ereignis: Sieben Ehepaare aus den Reihen unseres Chores konnten in diesem Jahr ihre Silberhochzeit feiern: Maria und Wolfgang Heller, Uschi und Karlheinz Imgram, Gertrud und Norbert Imgram, Martina und Robert Kemmerer, Marta und Klaus Neuhaus,  Gerlinde und Rudolf Seelmann sowie Ruthilde und Edgar Schilling. Dies war der Anlass zu einem Festgottesdienst und einer großen Feier im KVH. Dort spielte eine Musikband auf, die zum Großteil aus den Reihen unseres Chores entstanden war: „Die Staanemer Buwe“, später bekannt als „United Souls“.

Bei einem Excelsa-Konzert im Herbst 1997 zelebrierten unsere Kirchenchor-Frauen sehr gefühlvoll ihren Hit „I will follow him“ (Sister Act) und verdienten sich viel Applaus. Der Kirchenchor feierte sein 60-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass fand in der Marienkirche ein Konzert gemeinsam mit der „Sängerlust“ aus Bad Orb statt. Das gleiche Programm wurde bei einem weiteren Konzert der beiden Chöre in St. Michael / Bad Orb gesungen. Der Erlös (2.000 DM) war für die Renovierung unserer beiden Kirchen bestimmt. Für den Arbeitsausflug nach Bad Orb konnten wir übrigens einen gelb-roten Gelenkbus der Hanauer Straßenbahn chartern, was bei manchen für große Heiterkeit sorgte.

Ein Jubiläum der Treue war im September 1998 zu feiern. Unser Mitglied Adam Ehmann konnte mit seiner Frau Maria die Goldene Hochzeit feiern, der Chor gestaltete den Festgottesdienst. Aus gleichem Anlass sang der Chor im Februar 1999 bei zwei ehemals Aktiven, Maria und August von Eiff. Beide hatten sich 50 und mehr Jahre zuvor im Chor kennen und lieben gelernt, ein zu jener Zeit öfters beobachteter Nebeneffekt der profanen Singstunden! Im September beteiligte sich der Chor erstmals an einem Schlosshofkonzert der IGSV, bei dem jedes Jahr auch alle anderen Steinheimer Chöre und Musikkapellen mitwirken. Das 550-jährige Jubiläum unserer Pfarrei wurde mit einem Festamt in der Alten Pfarrkirche begangen und endete mit einem gelungenen Fest am Turm unter Moderation unseres Mitgliedes Frank Lehmann. Nach einer längeren Pause wurde auch wieder mal die Weihnachtsvesper vom Chor gesungen, eine Tradition, die bis heute beibehalten wird und jährlich mehr Anklang findet.

Zu Gunsten der Renovierung der Alten Pfarrkirche fand im Mai 2000 ein Benefizkonzert unseres Chores unter Mitwirkung der Neuen Philharmonie Frankfurt statt.Die „Steinheimer Goldkehlchen“ führten im September erstmals das Musical „Die Arche Noah“ auf, was sie dann 2002 auf der Landesgartenschau in Hanau nochmals mit Erfolg wiederholten.

Auf Initiative unseres 1. Vorsitzenden, Norbert Imgram, beschloss der Verwaltungsrat der Pfarrei im Jahr 2001, die Orgel der evangelischen Marienkirchengemeinde in Hanau zu übernehmen und nach einer grundlegenden Erneuerung durch die Fa. Oberlinger in unserer Marienkirche einzubauen. Durch Spenden von Chormitgliedern konnte ein Großteil der erheblichen Kosten gedeckt werden. Unsere ehemalige Orgel erklingt seither in der Pfarrei Santa Tecla von Pfarrer Monasterio in Barcelona. Davon konnten wir uns im Mai 2004 bei einem Chorausflug nach Spanien überzeugen. Nebenbei zu erwähnen wäre, dass Pfarrer Monasterio schon seit mehr als 50 Jahren die Urlaubsvertretung für unsere Pfarrer während der großen Ferien übernimmt. Kurz vor Weihnachten hatte der Chor eine ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen: Der Ehrenvorsitzende Erich Möser konnte mit seiner Frau Rita die Goldene Hochzeit feiern. Selbstverständlich gestaltete der Chor den Festgottesdienst.

Nach grundlegender Renovierung der Marienkirche, u. a. mit neuem Altar und Altarbild, gemalt von Wanda Stokwisz, wurde am 17. März 2002 die Neueinweihung von Bischof Karl Kardinal Lehmann in einem Festgottesdienst vollzogen. Der Chor (mit Solisten) führte die Messe G-Dur von Franz Schubert auf. Kurze Zeit später stand beim Kirchenchor St. Johann wieder ein Dirigentenwechsel an: Michael Schnadt, der den Chor 13 Jahre lang sehr dynamisch geführt hatte, übergab den Stab an einen jungen Musiklehrer aus Seligenstadt, sein Name: Jens Horch. Domkapitular Prälat Giebelmann weihte am 15. Dezember die neue Orgel in der Marienkirche ein. Als erste Organisten betätigten sich Christian Mause (Hanau) und Thomas Heilos (Klein-Auheim) an dem neuen 46-Register-Instrument. Unser Chor sang mit Orgelbegleitung „Lobt Gott in seinem Heiligtum“ von Cesar Franck. Am 19. Dezember mussten wir Abschied nehmen von unserem Ehrenvorsitzenden Erich Möser. Seine großen Verdienste um den Kirchenchor wurden bei der Trauerfeier entsprechend gewürdigt. Im Requiem ertönte die Haßler-Messe, die er so gerne mit seinem strahlenden Tenor gesungen hatte.

Neu eingeführt wurde 2003 eine Reihe von „Orgelvespern“. Der Tageszeit entsprechend sang der Chor gemeinsam mit Thomas Heilos an der neuen Orgel u. a. melodiöse Abendlieder.

Und was macht denn eigentlich Willy Manzanza? Den Kongo hatte er schon bald nach seiner Priesterweihe verlassen, um in Deutschland mit dem Ziel seiner Promotion weiter zu studieren. Eichstätt und Bonn waren seine Stationen. Nach wie vor wurde er vom Chor finanziell unterstützt; dank seines aufgeschlossenen Wesens fand er jedoch auch an seinen jeweiligen Wohnorten rasch weitere Gönner, die ihn und Projekte in seinem Land förderten. Aus den Reihen unseres Chores hat sich mittlerweile der Verein BANAKONGO (Kinder des Kongo) e. V. gebildet, durch den Willy Manzanza jetzt „professionelle“ Unterstützung erhält. Bei seiner Promotionsfeier in Bonn/Pützchen am 13.07.2003 gratulierte der Chor dem frischgebackenen Doktor der Theologie. Anschließend besuchte man in Köln noch den Dom und ließ sich in der Altstadt das eine oder andere Kölsch schmecken. Dr. Willy Manzanza ist inzwischen in Hildesheim als Gemeindepfarrer fest installiert.

Auch in einem Rathaus-Innenhof kann ein Kirchenchor singen: Unser Dirigent Jens Horch heiratete im Juli, wir verschönerten die Zeremonie mit einem Kanon am Seligenstädter Trauzimmer. Anlässlich des 100. Geburtstages des verstorbenen Steinheimer Kardinals Hermann Volk wurde am 27. Dezember ein Festgottesdienst gefeiert, den Bischof Karl Kardinal Lehmann zelebrierte. Unser Chor umrahmte das Programm in Form eines Doppelquartetts.

Erstmals eine Frau an der Spitze des Kirchenchores! Nachdem Norbert Imgram für den Vorsitz nicht mehr kandidierte, wurde Christel Gieles in der Generalversammlung 2004 zur neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Der weitere Vorstand bestand aus Dr. Wolfgang Trumm (2. Vors.), Judith Herrmann (Schriftführerin), Christiane Möser (Kassiererin) und einigen Beisitzern. Norbert Imgram erhielt die Medaille „Dank und Anerkennung“ von Kardinal Lehmann für seine Arbeit im Chor, auch im Hinblick auf die neue Orgel. Einen großen Erfolg - auch finanziell gesehen - verzeichneten die „Steinheimer Goldkehlchen“ mit ihrer Aufführung des Musicals „Die Reise nach Jerusalem“.
Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten in der Alten Pfarrkirche erfolgte im Dezember die Altarweihe durch Kardinal Lehmann unter Mitwirkung unseres Chores. Wegen Überfüllung der kleinen Kirche wurde die Zeremonie in ein Zelt auf dem Kardinal-Volk-Platz übertragen.

Was führte unseren Chor 2005 nach Speyer? Am Cäcilientag standen diesmal Vivaldis zwölf-sätziges Gloria und Mendelssohns Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ auf dem Programm. Nur durch intensive Vorbereitung konnte das Konzert mit Chor und Orchester gelingen, und eben dazu hatte Dirigent Jens Horch in ein geeignetes Haus in Speyer geladen. Neben der gesanglichen Arbeit konnte dabei auch die Gemeinschaft des Chores gefestigt werden.

 Zwei Hochzeiten standen auf dem Chor-Programm 2006: Unsere Sängerin und Schriftführerin Judith Herrmann heiratete im Juni und hört seitdem auf den Namen „Jüngling“. Zwei Wochen zuvor sang der Chor bei der Goldenen Hochzeit der aktiven Sopranistin Margarete Weis und ihres Gatten Anton. An dieser Stelle sei kurz vermerkt: Was früher als selbstverständlich galt, ist heute eher die Ausnahme, nämlich dass die Kinder von Sängern den Eltern in den Chor folgen und auch nach Jahrzehnten noch dabei bleiben - wie z.B. bei den Familien Herrmann und Weis. Im Kirchenchor gibt es Gott sei Dank noch einige solcher Beispiele zu verzeichnen. Erstmals fand im September ein Kinderchortag der „Steinheimer Goldkehlchen“ statt. Bei interessanten musikalischen Workshops und Spielen vergingen schnell die Stunden, auch Ehrungen standen auf dem Programm.

Im Oktober ging beim Kirchenchor wieder ein Dirigentenwechsel vonstatten: Jens Horch musste sich jetzt mehr um seinen Hauptberuf als Lehrer kümmern und übergab aus Zeitmangel den Stab an Nataliya Steinwachs. Die erste weibliche Dirigentin unseres Chores stammt aus der Ukraine, wo sie auch ihr musikpädagogisches Studium absolvierte. Neben der Leitung verschiedener Chöre ist sie tätig als Musiklehrerin für Klavier, Orgel und Cello. Am 08.07.2006 verstarb der Ehrenpräses unseres Chores, Pfarrer Lothar Hillenbrand. Seine Beisetzung in die Reihe der Priestergräber an der Marienkirche wurde von unserem Chor musikalisch begleitet.

Im März 2007 konnte das Ehepaar Maria und Josef Jung das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feiern. Der Chor verschönte den Dankgottesdienst seiner langjährigen Mitglieder. Eine weitere Sängerin hatte im Juli Grund zur Freude: Helmi Abt feierte mit ihrem Mann Walter Goldene Hochzeit. Unser Chor brachte im Garten des Paares ein Ständchen. Pfarrer Thomas Catta verabschiedete sich im August nach 15 Jahren aus Steinheim in Richtung Heidesheim am Rhein. Den feierlichen Abschiedsgottesdienst gestalteten Chor, Kinderchor, Saitensprung und Excelsa. Die offizielle Amtseinführung von Werner Suerbaum als neuer Pfarrer in Steinheim erfolgte im Oktober mit symbolischer Schlüsselübergabe der Kirchen und anschließendem Empfang im KVH. Zusammen mit unserem Ehrenmitglied Prälat Josef Seuffert feierten wir am Cäcilientag den Festgottesdienst anlässlich des 70-jährigen Bestehens unseres Chores.

Zwei unserer Mitglieder konnten 2008 Goldene Hochzeit feiern: Im Mai unsere z. Zt. älteste aktive Sängerin, Erika Herbert, mit ihrem Mann Bruno - langjähriger Hornist bei der Excelsa -, sowie im August das Ehepaar Margarete und Heinrich Degoutrie. Unser Chor trug bei den jeweiligen Dankgottesdiensten zur Verschönerung bei.

Im Rahmen des Großen Gebets 2009 gestaltete der Chor sehr dezent eine Betstunde mit Liedern und Texten aus Taizé. Dabei wurde auch des aktiven Tenors Diethard Gadhof gedacht, der wenige Tage zuvor verstorben war. Nach vielen Jahren führte der Chor erstmals wieder am Karfreitag die Johannes-Passion von Heinrich Rohr auf. Im Juni sangen wir zur Hochzeit von Kirsten Ullrich und Bernd Klotz. Dass der Chor auch Mitglieder aus St. Nikolaus vorzuweisen hat, zeigte sich im September, als man zu Ehren von Gerda und Karl Dotter das Dankamt zur Goldenen Hochzeit in der St. Nikolaus-Kirche gestaltete. Ein vielfältiges und interessantes Programm bot der „Tag der Musik“ im KVH: 56 Erwachsene und 11 Kinder besuchten diverse Workshops zu Gospelgesang, Rock und Pop. Die Kinder erlebten eine musikalische Weltreise oder konnten sich Musikinstrumente basteln. Beim abschließenden Grillfest taten auch heftige Regenschauer der guten Stimmung keinen Abbruch.

Als Schlosshofkonzert in neuem Rahmen wurde von der IGSV die „Altstadtmusik“ angeboten: Bunt verstreut in der Steinheimer Altstadt spielen und singen Orchester und Chöre. Den Auftakt machten unser Kirchenchor und die „Steinheimer Goldkehlchen“ in der Alten Pfarrkirche.Am 2. Weihnachtsfeiertag wurde unserem Chor einiges an Flexibilität abverlangt: Zuerst natürlich der alljährliche Gottesdienst im St. Vinzenz-Krankenhaus, anschließend schnell zur Marienkirche, wo das Dankamt zur Feier der Eisernen Hochzeit unserer Mitglieder Marianne und Hermann Becker bereits begonnen hatte. Beides wurde aber mit Bravour bewältigt.

Im Jahre 2010 hatten wieder mehrere Kirchenchor-Mitglieder Grund zum Feiern. Zum einen war es Bruno Disser, seines Zeichens ausgezeichneter Blasmusiker, der zusammen mit seiner Frau Waltraud im Juni die Goldene Hochzeit begehen konnte. Zum anderen haben sich auch wieder mal junge Leute getraut: So gab Uli Gieles seiner Jenny sowie Sven Bergmann seiner Romina das Ja-Wort. Der Chor war bei den feierlichen Gottesdiensten (auch jenseits des Maines) gerne aktiv dabei.Ein Wiedersehen mit Michael Schnadt! Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Hanauer PLAN-Aktionsgruppe gestalteten sechs Chöre im Oktober in der St. Nikolauskirche ein Benefizkonzert. Die Gesamtleitung hatte unser ehemaliger Dirigent, der Erlös der Veranstaltung in Höhe von 2.000 € kam einem Gesundheitsprojekt in Vietnam zugute. Auch wir trugen unser Scherflein bei, wobei das „O happy day“ mit Solistin Monika Eberle-Möser für einen umjubelten Abschluss sorgte.„O komm, o komm, du Morgenstern“ klang es am 1. Advent, als unser Chor erstmals beim Einläuten des Advents teilnahm. In einer kleinen musikalischen Andacht wurde die erste Kerze am großen Adventskranz feierlich entzündet.

Im Februar 2011 stand für unseren Chor gleich ein Festamt auf dem Programm. Unsere aktive Sängerin Edeltraud Streit konnte mit ihrem Ehemann Günther die Goldene Hochzeit feiern. Wie gewünscht endete der Gottesdienst sehr passend mit „O happy day!“Nach langer Zeit gestaltete der Chor wieder einen Kreuzweg entlang der Fußfalltafeln nach St. Nikolaus mit einfühlsamen Liedern zur Fastenzeit.Das 60-jährige Priesterjubiläum unseres Ehrenmitglieds Prälat Josef Seuffert (Sängerknabe im Gründungsjahr) wurde mit einem Festgottesdienst würdig begangen.Zugunsten des Vereins BANAKONGO e.V. fand im Oktober in der Marienkirche ein Benefizkonzert statt, bei dem wir gemeinsam mit dem evangelischen Posaunenchor unter Leitung von Frank Koltermann auftraten. Frau Professor Hürholz aus Köln, die einen großen Part des Programms übernahm, entlockte der Orgel bisher unbekannte Töne und erhielt großen Beifall. Am Cäcilientag kam es zu einer hörenswerten Premiere: Die Männer unseres Chores traten erstmals alleine auf und sangen die 3-stimmige Messe No. 5 aux séminaires von Charles Gounod.

 

 

Seit 75 Jahren – und viele Jahre vorher – haben Frauen und Männer im Kirchenchor Steinheim St. Johann Baptist ihre Stimmen erschallen lassen und damit zur Verherrlichung unseres Gottes und zur Erbauung der Gottesdienstbesucher beigetragen. Sie haben dabei viele Stunden ihrer Freizeit geopfert, aber dafür auch Freude und Erfüllung erfahren beim Singen innerhalb unserer Gemeinschaft. Auch 2012 wollen wir mit einem umfangreichen Jahresprogramm den Leitgedanken unseres Chores weiterhin mit viel Leben erfüllen, der da lautet:

 

Cantate Domino canticum novum (Singet dem Herrn ein neues Lied)